Donnerstag, September 15, 2016

Heimweh


Hallo ihr Lieben,
die liebe Helga, sie schreibt mit bei Bienenelfen, hat gefragt ob ich nicht manchmal an Heimweh leide.
Das ist so eine Sache. Ich wollte niemals aus meinem kleinen Stadtteil in Köln wegziehen. Und meine erste Wohnung war auch in der selben Strasse in der ich Gross geworden war. Doch mit jedem weiteren Umzug ging es ein bisschen weiter weg.
 Die Jahre vergingen und eines Tages kam Mr.B nach Hause und sagte das er die Chance habe beruflich für zwei bis fünf Jahre ins Ausland zugehen. Ich hatte sofort Ja gesagt - denn eine Fernbeziehung führen wollte ich auf keinen Fall. Unsere Jungs waren gerade mal fünf und acht Jahre alt. Die Jungs hatten sich sehr schnell eingewöhnt, nichtmal fünf Monate waren vergangen. Mr.B war immer Müde - den ganzen Tag auf der Arbeit Englisch reden, Vorträge zuhalten etc.. Ich hingegen war fast den ganzen Tag alleine zu Hause ich hatte ganz schlimmes Heimweh. Das andere Essen, die Sprache, Familie, Freunde usw. fehlten mir einfach sehr.  Zum Glück gab es viele weitere Deutsche Familien hier. Nun ja, ich dachte es wäre ein Glück - es stellt sich aber heraus das es mich noch mehr herunter zog. Nach einem Jahr entschieden wir uns den Kontakt dorthin auf ein Minimum zu reduzieren und es ging langsam besser. Ich lernte Amerikaner kennen, wir hatten viel zusammen unternommen und einige wurden zu richtigen Freunden.

Meine Freundschaften in Deutschland hielten dieser Zeit leider nicht alle aus. Eigene Computer hatten die wenigsten zu Hause - also blieb nur das Telefon. Doch nach fast zwei Jahren war ich es immer nur die anrief. Keiner rief zurück denn es sein ja ziemlich teuer. Als es zurück in die Heimat ging hatte ich die Hoffnung das alles wieder so wie früher werden würde. Dem war leider nicht so. Sie hatten neue Freundschaften geschlossen und irgendwie kam ich nicht rein. Ganze fünf Jahre waren wir in Deutschland, wir hatten uns wohl gefühlt trotz einiger Hindernisse (der Kleine musste zum Beispiel in Deutschland, als Deutscher in den Ausländerunterricht gehen, der Grosse hatte eine Fünf in Englisch da er kein Oxford Englisch sprach - er ging auf eine Bilinguales Gymnasium). Wir hatten neue Freundschaften geschlossen und alles war soweit Okay. Die Jungs fragten zwar immer wieder ob es denn nicht noch einmal in die USA gehen würde. Aber das war zu Bezweifeln.

Auf einmal ging alles ganz schnell. Mr.B kam eines Tages im Sommer 2010 nach Hause und meinte "wir könnten wieder nach Pittsburgh"! Die Jungs kamen gerade in die 8. und 12. Klasse. Die Entscheidung musste innerhalb einer Woche getroffen werde und wir haben die Regel das bei wichtigen Entscheidungen ALLE ein Mitspracherecht haben. Also nur wenn jeder Ja sagt, würde es los gehen.  Es sagte jeder Ja und genau drei Monate und eine Woche später sind wir umgezogen. Diesmal war alles einfacher. Wir kannten die Stadt und die Schule, hatten Freunde (sie hatten die Zeit in Deutschland überdauert) und mein Englisch war um einiges besser als beim ersten Umzug. Das erste Jahr war Aufregend. Es drehte sich fast alles um den Grossen natürlich wurde der Kleine nicht vergessen. Es war seinen letztes Schuljahr! In Deutschland hätte er noch zwei gehabt. Und all die amerikanischen Traditionen fürs Senior Jahr sanden an. Eh wir uns versahen war er ausgezogen und an der Uni. Jetzt erst fand ich Zeit um alles auf mich wirken zu lassen. 
Hatte ich Heimweh?
Was ist Heimweh?
Ich bin Glücklich wenn ich bei meiner kleinen Familie bin. Meine Jungs wohnen in Pittsburgh - also bin ich Glücklich.
Was fehlt mir?
Was vermisse ich?
Das Deutsche Essen - mittlerweile kann man vieles hier kaufen wenn man bereit ist den Preis dafür zu zahlen. Und wenn ich ehrlich bin - ich vermisse es erst wenn ich in Deutschland in einem Supermarkt bin uns sehe was es alles so gibt.
Die Sprache - nun ja, es läuft. Ich kann mich nicht immer so ausdrücken wie ich möchte und muss des öfteren drum herum reden. Gerade erst letztes Wochenende Worte wie: Bauchgefühlt, gesunder Menschenverstand oder deutsche Redensarten.
Deutsch reden, lesen, schreiben oder einfach nur Fernseh schauen - fast alles lässt sich ja mittlerweile mit dem Computer lösen. Ich kann mir wenn ich wirklich will ein Buch auf ein iPad laden. Das gleiche gilt für Hörbücher (was wir auch machen). Deutsches Fernsehen können wir gegen Bezahlung herunterladen. Zum reden, schreiben und im Kontakt bleiben gibt es ja Facebook, Facetime und das Email.
Und genau hier liegt mein Problem. Fast alle Freunde in meinem Alter nutzten diese drei Sachen nicht. Also sind auch diesmal viele Freundschaften wieder auseinander gegangen. Nach fast sechs Jahren hat sich nur eine einzige gehalten und sie kann nicht immer schreiben da sie sehr Krank ist.
Was ich wirklich vermisse ist: 
meine Schwester da sie jetzt endlich einen Computer/Handy hat nutzten wir Facetime ausgiebig aus. 
Meine Mutter, aber auch das ist besser geworden da sie seit Weihnachten ein eigenes iPad hat und
meinen Vater. Er hat schon seit unserem ersten Aufenthalt hier einen Computer. So können wir immer Emails schreiben oder Skypen. Ausserdem rufe ich sie jede Woche an.
2016 ist bisher jedoch das schlimmste Jahr . Ich wünschte oft dort sein zu können. Mein Vater hat drei Operationen am Herzen hinter sich und  seit einer Woche wissen wir das es ihn richtig erwischt hat. Jetzt laufen alle Untersuchen um zu sehen wie es weiter gehen soll.

!!!HEIMWEH!!!
lt dem Internet ist das die Sehnsucht in der Fremde wieder in der Heimat zu sein.

Ich habe nicht die Sehnsucht wieder in Köln, meine Heimat, zu sein. Ich habe Sehnsucht nach meiner Familie. Monatelang ist alles okay und dann von einem auf den anderen Tag würde ich am liebsten bei Ihnen sein. Meistens ist es im Winter oder an meinem Geburtstag (der im Winter ist) denn meine Ma und ich sind am selben Tag geboren. 
Leide ich dann nicht an Heimweh? Ich weiss es nicht!
Dieser Spruch:

Home - is wherever we are together

ist seit 2010 immer mein Begleiter.
Mein Heim, mein Zuhause ist da wo mein Mann ist und das I Tüpfelchen ist wenn meine Jungs auch da sind. 
So das war ein kleiner Seelenstriptease von mir und ich hoffe es war nicht zu langweilig für euch. 
Am Freitag geht es wieder nach NYC und da werde ich wieder ein paar Fotos für euch mitbringen. Diesmal geht es zwei Tage lang mit dem roten Doppeldeckerbus durch die Stadt. Danach geht es für einen Tag nach Lancaster County wo viele Amish People leben, ein Wunsch unserer Gäste.
Bis bald,

Wer sich jetzt wundert was die Fotos mit Heimweh zutuen haben - eigentlich gar nichts.
Doch so ganz trocken, ohne irgendein Bildchen, sollte es auch nicht sein. Also habe ich einfach eine ganz ganz kleine Auswahl an Fotos von meiner dies jährigen Norwegen Reise im Juni mit meinen Eltern & Schwester ausgesucht. 

Kommentare:

  1. Liebe Ella,
    schön auch mal so einen persönlichen Post zu lesen.
    Es freut mich dass ihr in Pittsburgh glücklich seid. Es ist doch das Wichtigste, dass man als Familie zusammen ist, egal wo.
    Dass dir eine Eltern und Schwester fehlen kann ich gut verstehen.
    Ich hoffe, dass dein Papa wieder gesund wird.
    Alles Liebe für dich.
    Silke

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  2. ein weitergeleiteter Kommentar von meiner Mama:

    Ach Du liebe Ella, wie schön von Dir, diese Einblicke in Dein bisheriges Leben. Das macht gewiß auch nicht jedermann. Umsomehr ein herzliches Dankeschön dafür. Ja, Heimweh, was ist das. Ich bin nun ja ein paar Jährchen älter als Du liebe Ella, vielleicht auch etwas an Erfahrungen reicher, aber ich bin nicht in die Welt hinausgekommen und spreche kein Englisch. Heimweh ist für mich eher ein Synonym......und für jedermann anders zu empfinden und zu erfühlen. Mein "Heimweh" bezieht sich stets auf meine Mama, ich möchte daheim sein, 14 jährig mit Mama einkaufen gehen, ihr vielleicht eine neue Jacke abschwatzen oder so einen neumodischen Tufflecoat, gerade modern geworden 1953, im Garten sitzen im Holzliegestuhl, die Rosen betrachten oder ihr beim Wäsche aufhängen helfen. Für sie in den Keller gehen und 1/4 Butter hinabtragen, denn ein Kühlschrank war dazumal noch ein Luxusartikel. (deine Mama fragen)! Da möchte ich jetzt und gleich hingehen, sie dort stehen sehen an der Haustüre, ihr winken und rufen: M a m a, dein Helgele kommt, das ist für mich Heimweh. (Jetzt 😢 😥 😪 😰😓)
    Das andere Heimweh ist kein wirkliches. Es sind schöne Erinnerungen an die man gerne zurückdenkt und in Erwägung zieht, weil die denn eben so schön waren, sie zu wiederholen.
    Für Dich liebe Ella ist nun das wichtig, genau "das" was Du beschreibst, Dein Umfeld, Deine Familie, Mann und Kinder und das ist richtig so. Das andere Gefühl, da sind meine Familie und Freunde über dem Teich, ist ein beruhigendes Gefühl, sie sind da, nur nicht gerade habhaft. Dein Leben ist im Augenblick Pittsburgh und das ist richtig. Deine Jungs haben zu dem Thema Heimweh bereits ganz andere Gefühle entwickelt. Köln bereitet kein Heimweh für sie. Eine Stadt mit Erinnerungen oder so.
    Später....kommt etwas anderes, was noch unbekanntes auf Dich zu, mit dem Älterwerden ändern wir uns unmerklich aber stetig, darum leben wir heute und stecken unsere vorhandene Kraft in dieses Leben.
    Deinem Papa gilt nun Deine ganze Sorge und meine meinem lieben
    Mann, denn ich bin in einer ähnlichen Situation, eins kommt zum anderen, und wenn man glaubt man hat es im Griff, kommt das nächste dazu. Im Moment fühle ich mich so wie eine Versorgungsschwester und was ganz schlimm ist, ich kämpfe mit 16 Tabletten die er täglich nehmen muss, wobei viele weiße identisch sind und ich aufpassen muß, um keine Fehler zu begehen.
    Ich wünsche Dir und Deiner Family, viele KM und 6 Stunden Zeitunterschied, entfernt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen weiteren angenehmen Aufenthalt. Ich habe als 6 jährige damals 1945 eine saugute Erinnerung an die Besatzer Ami, hatten sie doch stets unerreichbare Köstlichkeiten wie Kaugummi, Schokolade in runden Blechdosen, Orangen, Donuts oder später dann das absolute Highlight Nylonstrümpfe für einen Teenager wie mich. Manche hatten engere Beziehungen 💘 und so war es fast etwas heiliges wenn man jemanden kannte der in der PX einkaufen konnte.
    Freue mich wenn ich wieder von Dir hören darf und bleibe mit lieben Grüßen die Helga

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  3. Liebe Ella,

    vielen lieben Dank für Deinen so persönlichen Post. Ich kann das ja auch ein Stück weit nachvollziehen, da wir ja selbst drei Jahre im Ausland gelebt haben.

    Deine Fotos sind so wunderschön, Norwegen ist sicher ein sehr sehenswertes und besonderes Land welches ich auch gerne bereisen möchte.

    Herzliche Grüße über den großen Teich
    die Kerstin

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